Mein Alltag als Autorin und berufstätige Mutter

Anlässlich des bevorstehenden Nanowrimos, einem Event über die Dauer des ganzen Novembers, in dem Autoren sich weltweit das Ziel setzen, einen Roman mit dem Umfang von 50.000 Wörtern zu schreiben, taucht in diversen Gruppen dazu oft ein und dieselbe Frage auf: Wie macht ihr das?

Ja, wie eigentlich?

Letztes Jahr habe ich auch am Nanowrimo teilgenommen. Mein Projekt war ‚Der Dämonenprinz und ich‘. Ich hatte am 31. Oktober noch im Eiltempo geplottet (leider auch nicht ganz bis zum Ende, was mir noch zum Verhängnis wurde, aber zum Thema Plot komme ich in einem anderen Beitrag noch zu sprechen) und machte mich am 1.11. vollkommen euphorisch ans Werk. Gemeinsam mit anderen Autoren nahm ich an Schreibrunden teil und trug brav für etwa drei Tage am Stück meine gemeisterte Wortzahl in die Fortschritttabelle ein (danach wurde ich nachlässig und vergaß es, man könnte sagen: typisch ich).

Und dann fiel ich mächtig auf die Schnauze. 1.667 Wörter sollten es täglich sein. Ich hatte sogar einen Motivationshintergrund auf dem Laptop. Doch nicht nur, dass mich Aésha nicht losließ, deren ersten Teil ich gerade erst beendet hatte, ich kam auch einfach nicht rein. Ich legte Pausen ein.

Mein Alltag ist stressig. Manchmal sehr. Schlussendlich wurde ich zum Nanorebell, wechselte das Projekt, schrieb den Anfang von Aésha 2 und stellte fest: Hey, das wäre eigentlich viel besser geeignet als Ende für den ersten Teil! 25k also 25.000 Wörter wanderten also noch in den ersten Band. Vom Dämonenprinzen schaffte ich danach in diesem Monat noch etwa 12k.

Ich bin also gescheitert.

Und dann?

Ich nahm weiter an Schreibrunden teil, setzte mir Ziele für den Dämonenprinzen und haderte immer wieder mit mir wegen der Kürze des Romans.

Inzwischen bin ich entspannter. Und kenne mich und mein mögliches Schreibpensum besser. Ich weiß, dass ich im Vergleich zu vielen anderen eine langsame Schreiberin bin. Ich weiß, dass Schreibrunden mich zwar ab und an gut pushen können, aber sorgsam dosiert sein sollten, denn sonst beginnen sie mich zu stressen. Der Nanowrimo ist eine tolle Möglichkeit, sich gegenseitig anzuheizen und in der Strömung des Schreibflusses mitzuschwimmen, doch für mich ist er in der ursprünglich angedachten Form nichts. Ist aber auch nicht schlimm.

Dennoch, um nun endlich zum Kernthema dieses Beitrages zu kommen, ich habe Deadlines und allen voran: Ziele. Denn auch wenn ich die Autorin bin, arbeite ich nicht allein an meinem Büchern. Da ist auch noch die Lektorin, die Korrektorin, Coverdesignerin und meine Verlegerin, die allesamt auch ihren Zeitplan haben. Wenn ich mir also vornehme, etwas zu veröffentlichen, muss ich wissen, wie viel ich bis wann schaffe und welche Arbeit und Zeit ich investieren muss und das ist mehr als man vielleicht denken mag. Nicht zu vergessen noch das Marketing, vor allem wenn man selbst verlegt. Was der Leser von der Arbeit hinter einem Buch mitbekommt, ist nur die Spitze des Eisbergs, wie man so schön sagt und ich trage davon auch gar nicht viel nach außen. Lediglich auf Instagram gewähre ich ab und mal einen streng limitierten Einblick in mein Privatleben.

Freizeit? Oder andere Hobbies?

Habe ich kaum. Doch das stört mich wenig. Ich arbeite fünf Tage die Woche in einem Büro, danach hole ich meine Tochter von der Schule ab und verbringe den Nachmittag mit ihr. Erst wenn sie schläft (oder auch wenn sie mal einen Film guckt oder bei einer Freundin spielt) habe ich meine Schreibzeit. Zeit für andere Aktivitäten nehme ich mir selten. Alle paar Wochen gehe ich mit meinen Freunden aus, der meiste Kontakt zu ihnen besteht tatsächlich über Facebook und Instagram und ich bin mehr als dankbar für alle, die mir deswegen nicht böse sind.

Aber warum?

Es sind schlicht die Prioritäten, die ich mir gesetzt habe. Meine Tochter kommt allen voran, sie ist meine größte Aufgabe, die es zu meistern gilt. Dann mein Brotjob, der mir die finanzielle Sicherheit gibt, die mir meine Bücher nicht geben können. Dann das Schreiben, meine Liebe, meine Leidenschaft, die aber auch einen maßgeblichen Teil zum finanziellen Aspekt darstellt. Es war von jeher mein Traum und diesen verwirkliche ich mir nun.

Schlussendlich muss jeder selbst herausfinden und erkennen, welchen Ehrgeiz in einem steckt  und was man bereit ist, dafür zu tun. Wie viel man aufgeben kann und will, um sich wirklich dahinter zu klemmen. Und man muss sich kennen. Ein Nanowrimo kann einen zu Höchstleistungen anspornen, er kann aber auch kontraproduktiv sein und einem das Gefühl geben, vor einem unüberwindbaren Berg zu stehen. Eines kann ich aber so oder so sagen: Hinter einem Buch steckt eine Menge Arbeit und Zeit, die man bereit sein muss, zu investieren.

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2 Gedanken zu „Mein Alltag als Autorin und berufstätige Mutter

  1. Hallo Johanna,

    ich habe eben mit Begeisterung deinen Roman Aésha 1 fertig gelesen. Ich würde mich sehr freuen, wenn du den Termin für Aésha 2 halten kannst, ich fiebere dem 2 Teil entgegen.

    Viele Grüße und viel Erfolg

    1. Hallo Tim!
      Das freut mich unheimlich zu lesen! Leider war mein Dezember sehr voll, darum sehe ich deinen Kommentar erst jetzt, Schande auf mein Haupt!
      Ich arbeite hart daran und hoffe ebenfalls, dass alles so klappt und es pünktlich erscheinen kann. 🙂
      Dir auch viele Grüße!
      Johanna

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