Über den Umgang mit Kritik

Viele Autoren wissen es bereits und auch bei Bloggern ist das Thema immer mal wieder (wie auch kürzlich erst) präsent. Der Umgang mit Kritik und schlecht ausfallenden Rezensionen ist nicht immer einfach und kann in einer ziemlich heiklen Situation enden.
Immer wieder höre ich von Autoren, die Blogger teilweise anprangern (absolutes No-Go!) und dann blockieren (als ob das helfen würde, lassen wir aber mal unkommentiert). Und gleichzeitig vernahm ich schon aus Autorenkreisen selbst, wie sich gegenseitig vorgeworfen wurde, unprofessionell und nicht kritikfähig zu sein, weil man sich nur zu einer unschönen Rezension äußerte. In einem Autorenforum wohlgemerkt, also letztendlich nicht einmal öffentlich (liebe Kollegen, da hätte ein Rückenklopfer doch mehr geholfen).

Sich zu rechtfertigen und sei es noch so begründet, gilt als absolutes Tabu, sobald man Autor ist. Das wird einem von Anfang an eingebläut. Äußere dich am besten gar nicht dazu. Lächel, sage “Danke für die ehrlichen Worte” und hake es ab. Und so hart es klingt, oftmals ist das auch wirklich der beste Weg. Denn letztendlich sind sie das. Ehrliche Worte von jemandem, der sich getraut hat, seine Meinung zu sagen, obwohl er damit riskiert, dass nicht nur du, sondern auch noch deine Fans damit nicht einverstanden sind.

Wie das ausgehen kann, haben wir vor noch gar nicht all zu langer Zeit bei Laura Kneidl gesehen, die übrigens unfassbar großartig damit umgegangen ist.
Um sie zu zitieren: “Allerdings wurde an mich herangetragen, dass manche Leser*innen, welche die positive Meinung nicht zu 100% teilen, böse Nachrichten erhalten haben, in denen sie teils als ignorant, homophob oder rassistisch bezeichnet werden. Oder es wird ihnen unterstellt, sie würden das Buch “falsch” lesen und ihre Meinung wäre nicht richtig.
Doch Meinungen sind subjektiv. Man kann die Thematiken hinter
»Someone New« unterstützen und trotzdem die Umsetzung kritisieren. Kein Buch ist perfekt. Geschmäcker sind verschieden. Micah und Julian leben uns Toleranz und Akzeptanz vor, also lasst uns nach ihrem Vorbild handeln. Daher bitte ich euch: verbreitet eure (positive) Meinung, anstatt die Meinungen anderer zu kritisieren.
Quelle: Laura Kneidl Instagram

Und als Autor?

Natürlich gibt es einfach Sachen, die einen treffen. Lässt sich nicht beschönigen und auch nicht mit einem “Wer veröffentlicht, muss damit rechnen, das gesagt zu bekommen.” wegwischen. Nein, nur weil ein Autor veröffentlicht, macht ihn das nicht automatisch und von jetzt auf gleich zu einem Felsen, an dem alles abprallt. Nicht einmal die ganz großen. Ich weiß von Autoren, die darum bitten, sie nicht mehr bei Rezensionen zu markieren. Ich mein, auch wir sind nur Menschen. Und auch wenn man die Mühe eines jeden Bloggers und Rezensenten würdigen möchte, selbst ich habe sie schon ausblenden müssen und bin bewusst nicht auf Amazon, Lovelybooks, Goodreads oder Thalia gegangen, um die Bewertungen anzusehen. Wenn ich gerade in einer Schreibkrise bin, ist das ein Genickbruch.
Dabei hatte ich eigentlich gedacht, dass mich meine erste Ein-Sterne-Rezension sogar viel härter treffen müsste. Ich hatte erwartet, dass ich heule, mir einen Eimer Ben & Jerry´s und eine Flasche Wein hole und mich sicher für drei Wochen verkriechen würde. Zumal ich komplett verwöhnt war, denn mein Debüt hatte bis dahin ausschließlich vier und fünf Sterne bekommen. Doch es ist der Inhalt, auf den es ankommt. Ganz wie beim Buch selbst. Manchmal braucht man einen Moment und grummelt eine Weile in sich hinein, aber wenn der Abstand zur persönlichen Ebene erstmal weg ist, fällt es leichter, sich der Kritik anzunehmen.

Was es so alles zu bemängeln gibt und was es bringt

Ihr werdet nie erleben, dass ich über jemanden herziehe, weil ich eine Rezension nicht gerechtfertigt finde. Wenn dem so ist, behalte ich das für mich. Warum, lest ihr gleich.
Es gibt nur eine Sache, die mich wirklich ärgert und das sind unangekündigte Spoiler. Bitte, bitte liebe Leser und Blogger, die ihr euch die Mühe macht und eine Rezension schreibt: Es ist völlig verständlich, wenn ihr genau benennen wollt, was ihr doof oder unlogisch findet. Und schlussendlich für uns Autoren sogar hilfreich. Aber macht es bitte für andere kenntlich.
Wir Autoren arbeiten monatelang an dem Spannungsbogen unseres Buches. Auch wenn es euch nicht gefallen hat, macht es anderen doch bitte nicht kaputt.

Es gibt verschiedene Sachen, die kritisiert werden können. Da haben wir zum einen die Geschichte selbst und die Charaktere oder den Weltenbau. Etwas, das komplett subjektiv wahrgenommen wird, kann niemand beeinflussen. Kein Autor kann ein Buch schreiben, das jedem gefällt. Gerade, wenn man den Wunsch hat, Diversität in die Branche zu bringen, kann das nicht auf uneingeschränkten Zuspruch stoßen. Jeder Leser geht mit einer bestimmten Erwartung an das Buch und es ist nicht immer möglich, diese gleich im Klappentext darzustellen. Gerade das ist in Rezensionen aber auch unglaublich wertvoll für andere Leser, denn vielleicht finden sie genau diesen einen Punkt wunderbar und interessieren sich umso mehr dafür oder merken aber, dass das Buch dann auch für sie nicht das Richtige ist.
(Ich hab ja lange überlegt, ob ich das so schreibe und auf mich beziehe, aber es ist ein schönes Beispiel: Wenn ihr also findet, Mason ist euch für einen Dämonenprinzen nicht stark und männlich genug, ist das völlig legitim. Ich wollte ihn genau so zeichnen und eine Geschichte, in der die Frau den Prinzen rettet. Wenn ihr das in eurer Rezi schreibt, dann bringt das genau die Leser zu mir, die eben dies gut finden.)

Dann haben wir den Schreibstil. Letztendlich zum Teil auch eine subjektive Meinung, denn einige lieben hier, was andere als zu anstrengend oder störend empfinden. In solchen Fällen feiere ich es, wenn der Rezensent rät, sich die Leseprobe anzusehen oder die “Blick ins Buch” Funktion zu nutzen, damit sich jeder selbst ein Bild machen kann.
Hier lohnt es sich übrigens – auch wenn man Gefahr läuft, sich zu spoilern – ein wenig weiter zu blättern und zu sehen, ob nicht nur der Anfang holprig ist, denn davor sind auch erfahrene Autoren nicht gefeit.
Andererseits ist es für den Autoren selbst aber auch ein wertvoller Punkt, wenn erwähnt wird, was genau verbesserungswürdig ist. Fehlte es etwa an Beschreibungen der Umgebung, sodass ihr es vermisst habt, so richtig in die Welt einzutauchen? Dann schreibt das. Entweder wir sagen “Nein, ich MÖCHTE, dass der Leser seiner Fantasie selbst freien Lauf lassen kann.” oder wir werden auf etwas hingewiesen, was wir bei unserer nächsten Schreibübung nochmal verinnerlichen sollten.

Und zu guter Letzt die Logik. Ein ziemlich wunder Punkt, bei dem es am schwersten fällt, nicht zu diskutieren. Einerseits möchte man als Autor alles begründen. Erklären, dass auch die Charaktere im Buch Fehler machen oder vielleicht hat der Rezensent sogar etwas überlesen, was dem Vorwurf widerspricht, whatever. Gleichzeitig frage ich mich, ob es nicht so oder so mein Fehler war, wenn es doch zeigt, dass ich etwas nicht deutlich genug gemacht habe. Oder ich beiße mir auf gut deutsch gesagt ewig in den Arsch, dass es mir trotz Lektorat durchgerutscht ist.
Das Leben ist ein ewiger Lernprozess und der hört erst auf, wenn wir sterben. Es mag sein, dass es Autoren gibt, die mit ihrem Debüt gleich ein Meisterwerk vollbringen und einen internationalen Bestseller schreiben (unter dem ihr – und da möchte ich wetten – ganz gewiss 1-Sterne-Rezensionen finden werdet). Aber wie eine Kollegin mir einmal sagte “Ich möchte mein eigener Berg sein”. Ich möchte mich mit jedem Buch ein kleines bisschen mehr steigern.

Denn auch wenn Rezensionen einen treffen können und runterziehen und unschön aussehen, vor allem wenn Amazon die Schlechten höher positioniert als die Guten, der Spruch, dass man aus ihnen lernen kann, ist mehr als eine hohle Phrase.

Fazit

Du kannst lernen, wo du dich noch steigern kannst, wo dir noch Erfahrung fehlt und auch, dass du es nicht jedem recht machen kannst und du schlechte Bewertungen kriegen wirst, egal wie viel Mühe du dir gibst. Hol dir notfalls das Ben & Jerry´s und die Flasche Wein. Dann liest du dir aber bitte auch die ganzen 5 Sterne Rezensionen nochmal durch und überlegst, wie weit du es schaffst, noch mehr Leser von deinem Können zu überzeugen und bei welchen du dir selbst sagen kannst “Gut dir gefallen meine Bücher einfach nicht, das ist okay.”.

Und an euch Rezensenten, sei es nun Leser oder Blogger:
Macht weiter. Wir danken euch für euer Herzblut, das ihr in Bewertungen steckt, denn sie helfen uns, uns zu entwickeln, zu wachsen. Wenn unsere Bücher Pflanzen wären, wären wir vielleicht die Sonne, aber ihr das Wasser.

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