Wieder aufstehen. Meine Aufgabe für 2020

Mal was Privates

Wisst ihr, Rückschläge habe ich schon viele erlebt. So wie im letzten Jahr haben sie mich aber schon lange nicht mehr mitgenommen. Dabei habe ich mittlerweile schon vor weit größeren Abgründen gestanden. Aber diesmal war die Luft raus, ich hatte keine Kraft mehr, um dem noch stand zu halten.

Rückblickend betrachtet hatte ich wohl einen Burn Out mit nicht mal 30. Und einen Depressionsschub, der sich gewaschen hat. Von dem ich mich noch immer nicht ganz erholt habe.

Ich hatte mir viel aufgeladen und bin noch ganz enthusiastisch ins Jahr 2019 gestartet. Hatte endlich den Job, den ich schon ein Dreivierteljahr lang anvisiert hatte und dachte, alles würde toll werden. Auch wenn ich dann halt erst noch auf beiden Positionen arbeiten müsste, bis jemand anderes für meinen alten Posten gefunden würde. Der Stress und die Belastung sollten ja nicht auf Dauer sein. Und irgendwie finde ich mich da schon ein und wenn es eben ein paar Überstunden braucht, um dieses und jenes allein zu lernen, wenn halt alle genauso überlastet sind und keiner Zeit hat, es zu zeigen. Man wird doch schließlich nicht immer an die Hand genommen und selbstständiges Lernen sei doch normal. Und als das dann soweit war, hätte es doch besser werden müssen, oder? Oder?
Spoiler: Wurde es nicht.

Das Team passte nicht oder ich nicht ins Team. Dazu der Druck, den alle auf sich spürten und meine mangelhafte Gesundheit. Ich war unglücklich und habe viel zu lange gebraucht, um es mir einzugestehen.
Schließlich hatte ich doch unbedingt in dieses Team GEWOLLT. Ich WOLLTE diese Stelle. Und zurück konnte ich nicht, da war ja schon jemand Neues. Und dieses Unglücklichsein schlug sich unerbittlich auf meinen Körper nieder. Ich wurde immer wieder krank. Mein Rheuma rebellierte. Ich arbeitete immer mehr von Zuhause aus und war überfordert.
Schlussendlich wurde ich im Mai gekündigt.
Irgendwie war ich erleichtert. Dachte, mir ging es ja eh nicht gut, versuchte, ehrlich zu mir selbst zu sein, aber es hat mich trotzdem unglaublich getroffen. Mein Ego war am Boden, ich dachte, ich hätte versagt, wäre nicht gut genug gewesen.
Doch damit nicht genug. Ich fand auch keine neue Stelle. Zumindest nicht mal eben so, wie ich es sonst kannte.

Gleichzeitig kam plötzlich die Botschaft, dass meine ursprüngliche Verlegerin den Verlag verkauft hat. Inzwischen ist euch das wahrscheinlich allen bekannt, doch für diese Wochen standen wir Hawkify-Autoren gefühlt in der Luft. Mussten Entscheidungen treffen, wurden mit Fragen bombardiert, waren verunsichert und enttäuscht. Gebrannte Kinder, die irgendwie wieder ihren Platz finden mussten. In meiner damaligen Situation habe ich das nicht besonders gut hingekriegt.

Schließlich hatte mich die Depression voll im Griff. Mein Bewegungsradius bestand darin, meine Tochter zur Schule zu bringen und abzuholen. Zum ersten Mal in meinem Leben nahm ich ungewollt zu (in meiner Jugend hatte ich eine Essstörung mit starkem Untergewicht). Ich fing an, Leute zu enttäuschen. Freundschaften endeten, mal im Streit oder verliefen auch im Sande. Ich begann, andere zu enttäuschen. Meldete mich nicht mehr, war mit allem überfordert. Sogar Leser und Blogger habe ich enttäuscht, weil ich nicht einmal mehr ehrlich sagen konnte, dass ich es nicht schaffe. Nicht einmal zur Post, um versprochene Buchpakete abzuschicken. Oder Beiträge für Bloggeraktionen.

Im August kam dann der Lichtblick. Weil ich mit nun 30 Jahren noch immer keine richtige Ausbildung gemacht hatte, bot mir die Agentur für Arbeit die Kostenübernahme einer Umschulung. Und das auch noch in einem Berufsfeld, das mich schon lange interessierte.
Bevor ich es mir versah, ließ ich mich von Weiterbildungsträgern beraten, wählte einen aus, machte Einstellungs-Tests und saß plötzlich mit 18 anderen Menschen in einem Raum, die sich ebenso entschlossen hatten, Fachinformatiker zu werden.
Achtzehn Menschen, die kennen zu lernen sich in der ersten Woche anfühlte, wie 3 Wochen Buchmesse nonstop. Aber achtzehn wunderbare Menschen, die genauso verrückte Nerds sind wie ich und doch vielseitig. Jeder mit seiner eigenen Geschichte, die ihn an diesen Ort geführt hat.

Dass diese Ausbildung seinen Preis hat, habe ich euch im August schon erzählt. Doch eigentlich ist das längst nicht alles. Denn da ist gleichzeitig noch immer dieser Kampf auszufechten und das wird wohl in etwa genauso lange dauern. Zudem habe ich derzeit fast alle zwei Wochen Klausuren und ständig neuen Stoff zu lernen.
Ganz langsam merke ich, wie es mir immer besser geht. Stück für Stück komme ich voran, auch wenn ich dieses Biest namens Depression nicht zähmen kann, versuche ich zumindest, es in einen Käfig zu sperren.
Aber ich muss immer noch aufpassen, dass ich mich nicht übernehme.
Das Schreiben, das so lange mein Leben beherrscht hat, mit all dem drum und dran wie dem Marketing, den sozialen Medien, den Bloggerkontakten, der Webseitenpflege, all dem, ist in den Hintergrund gerückt. Nicht, weil es an Bedeutung verlor, sondern weil es musste. Viele einst geschmiedete Pläne habe ich inzwischen wieder verworfen (keine Angst, das betrifft keine bereits angekündigten Bücher).

Dass es 2020 still um mich sein wird, beschloss ich schon in Frankfurt, habe nicht einmal mehr einen Messebericht geschrieben. Die FBM war mein geheimer Abschied auf Zeit. Einmal noch Autoren, Blogger, Freunde drücken, bevor ich mich für eine ganze Weile zurückziehe und erst mit meinem nächsten Projekt wieder an die Öffentlichkeit trete.

Warum ich mich gerade jetzt mal wieder melde?

Ja richtig, 2020 werde ich keine Buchmesse besuchen. Habe keinen öffentlichen Auftritt, werde erst recht kein Buch veröffentlichen und auch sonst nicht bei irgendetwas mitmachen. Kein Druck von außen. Nur schreiben, um zu entspannen. Und das funktioniert! Glaubt mir, die Geschichten lassen mir keine Ruhe. Immer wieder schweifen die Gedanken ab, spüre ich das Kribbeln in den Fingern. Doch je mehr Zeit ich mir lasse, desto besser fühlt es sich an, weil sie dadurch einfach ausgereifter werden.

Und das ist nicht alles. Diese Woche habe ich ein Cover abbezahlt, dass ich Anfang 2019 in Auftrag gegeben hatte und es zeigt mir auch auf wunderschöne Art, dass ich längst nicht fertig bin.

So lange bleibe ich aber ruhig. Vielleicht lasse ich zwischendurch mal etwas von mir auf Instagram hören, werde aber zu meinen Büchern erstmal nichts weiter sagen. Lasst euch überraschen.

Beitrag erstellt 11

2 Gedanken zu „Wieder aufstehen. Meine Aufgabe für 2020

  1. Wunderschön geschrieben. Ich bin stolz auf dich und finde es klasse, wie du alles meisterst, zu dir stehst und überhaupt. Bleib in dem Gefühl der Freude und Leichtigkeit und geh deinen Weg. 🙂 Alles kommt zur rechten Zeit und dann ist es gut so.

    1. Vielen lieben Dank, Myrna! <3
      Ich geb mein Bestes und freue mich schon darauf, irgendwann wieder gestärkt zurück zu kehren. Die Reaktionen auf diesen Post haben mir noch einmal zusätzlich Kraft gegeben. Zu wissen, dass so viele weiter zu mir stehen, fühlt sich wunderschön an.

      Alles Liebe dir!

      Johanna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Verwandte Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben